17. September 2014

Böse Absicht?

Eine Facebook-Freundin hat in einem ihrer Kommentare berichtet, dass ihr etwas aufgefallen ist: Wenn in der zwischenmenschlichen Kommunikation eine Aussage aufs erste nicht klar erscheint, sei sehr oft die erste unbewusste Reaktion der Empfänger/innen, böse Absicht zu unterstellen.

Schattierungen
© Uli Feichtinger, 2014
Zuerst hab ich mir gedacht – wie du wahrscheinlich auch gerade! ;-) – dass das bei mir ganz anders ist und dass ich in diese Falle nicht hineintappe. Doch das Thema hat mich beschäftigt, weil Wohlwollen zu einem ganz zentralen Wert in meinem Leben geworden ist. So habe ich Beobachtungen angestellt und Forschungen betrieben, um mein spirituelles Selbstmanagement weiter zu stärken. 

Ich habe mich dabei auf die geschriebene Kommunikation konzentriert, weil dort genug Zeit ist, zwischen den einzelnen Kommunikationseinheiten die verschiedenen Reaktionen zu beobachten. In der gesprochenen Kommunikation geht ja meistens alles sehr sehr schnell... Bei der gesprochenen Kommunikation haben wir zudem zusätzliche Kanäle, wie Körpersprache bzw. die Intonation der Stimme, die uns helfen, unklare Aussagen "richtig" einzuordnen.

In der geschriebenen Kommunikation (SMS, WhatsApp, Email, Facebook, Briefe, etc.) fallen diese Kanäle weg, wir konzentrieren uns rein auf die geschriebenen Worte – außer es gibt Smileys und Emoticons, die uns bei der Orientierung helfen. 

Meine Beobachtung an mir selbst und an anderen ist die, dass im Zweifelsfall, also beim Eintreffen einer unklaren Botschaft, automatisch die Alarme angehen und eine mißtrauische Grundhaltung entsteht: "Wie ist das jetzt gemeint?" Und automatisch werden die Schutzmechanismen hochgefahren. Je nach eigenem inneren Zustand ...
  • … kann ziemliches Drama ausbrechen und wilde Interpretationen übertrumpfen sich gegenseitig. Die eigene Antwort fällt dementsprechend aus – und der Eskalation ist Tür und Tor geöffnet.
  • … schaltet sich die Vernunft ein und versucht, kühlen Kopf zu bewahren. Die vermeintliche Unterstellung / Anschuldigung / Beschämung / ... wird ignoriert und die Antwort fällt sachlich distanziert aus – auf den Stockzähnen, wie man so sagt... Es bricht kein Konflikt aus, doch die Beziehung ist getrübt.
  • … wird die Kreativität ausgepackt, um die ganze Sache mit Humor zu umschiffen. Auf diese Weise wird solch eine Situation oft elegant bereinigt – solange der Humor nicht wiederum auf Kosten anderer geht und daher erneut Beschämung hervorruft.
  • … können wir einmal tief durchatmen: "OK, das könnte jetzt böse / verletzend / verächtlich / beschämend / ... gemeint sein. Und für den Fall, dass es nicht so gemeint wäre, wie könnte es noch gemeint sein? Welche Botschaft könnte da sonst noch dahinter stecken?" Meiner Erfahrung nach gibt es dann Horizonterweiterung, Klarheit und Offenheit entstehen, Spielräume eröffnen sich, Beweglichkeit und Leichtigkeit stellen sich ein. 
Traunstein im Herbst
© Uli Feichtinger, 2012
Ich lade dich daher ein, selbst zu forschen - um dein spirituelles Selbstmanagement zu stärken: 
  • Was geht in dir vor, wenn du unklare Botschaften erhältst? 
  • Was sind deine Gedanken über die Person, die sie dir schickt?
  • Wenn dieselbe Meldung von einer anderen Person geschickt worden wäre, käme sie dann anders bei dir an?
  • Wenn dieselbe Meldung von derselben Person in einem anderen Kontext geschickt worden wäre, käme sie dann anders bei dir an?
  • Gesetzt den Fall diese Botschaft wäre nicht böse, verächtlich, beschämend, ... gemeint: Wie könnte sie dann noch gemeint sein? Was könnte noch dahinter stecken?
Je bewusster immer mehr Menschen kommunizieren, umso leichter wird es sein, Konflikte zu vermeiden. Bewusste Kommunikation ins Kollektiv einzuspeisen, ist ein Beitrag zum Weltfrieden. Das klingt jetzt pathetisch – doch lass es mal sickern!

Ich freue mich darauf, deine Erfahrungsberichte, die Ergebnisse deiner Forschung und deine Erfolge damit zu erfahren! Bitte teile sie mit uns hier in den Kommentaren. Danke! 


Kommentare:

Christa Langheiter hat gesagt…

Super Forschung, liebe Uli!
Als Klartexterin beschäftigt mich die Frage der Klarheit schon sehr lange und ergänze noch die simpel scheinende Frage: was ist klar? Wann ist eine Botschaft klar? Ich glaube, es hat auch damit zu tun, dass Worte nicht in Resonanz gehen. Das kann aus meiner Erfahrung einerseits an den Worten liegen, die bei jedem verschieden besetzt sind. Aber auch am eigenen "Energiezustand" an der Empfänglichkeit, Offenheit. Je (an)gespannter ich bin, umso "eindeutigere" Worte brauche ich zum Beispiel.

Uli Feichtinger hat gesagt…

Oh, ja, Klartexterin! <3 Deine Frage "was ist klar?" ist total zentral! Die hat sich mir in den Forschungen auch gestellt. Dass Worte nicht in Resonanz gehen - oder in eine andere als die beabsichtigte Resonanz? Ja, der Energiezustand, der eigene innere Zustand ist für mich der ausschlaggebendste Punkt. Selbst wenn SenderInnen es schaffen, sehr klar ihre innere Wahrheit in Worte zu fassen, können sie nicht beeinflussen, in welchem inneren Zustand die EmpfängerInnen diese Botschaft erhalten - und welche Reaktion daraus entsteht.

Was ich auch so spannend finde: Die schriftliche Kommunikation hat erst so einen wichtigen Stellenwert im Alltag erhalten, als die neuen Technologien Einzug gehalten haben. Somit ist das Thema menschheitsgeschichtlich gesehen total neu - wir sind im Neuland unterwegs. Wir sind PionierInnen….

Danke für Deine wundervollen Zeilen, liebe Christa! <3

Karuna hat gesagt…

Du kennst meine Ansicht:

Schriftlich versus Gespräch.

Das höchste Maß an Klarneit kommt aus dem Gespräch von Angesicht zu Angesicht.
Nicht weit dahinter kommt das Gespräch am Telefon.
Die schriftlichen Kommunikationswege (E-Mail, SMS, WhatsApp etc.) führen sehr leicht zum "Missverstehen".
Der große Unterschied: Gespräch (ob persönlich oder per Telefon) ist zeitlich synchron, es kommt zu direktem (spürbarem) Feedback und emotionalem Kontakt und Missverständnisse können gleich korrigiert werden.
In der asynchronen Form kommunizieren nur die "minds" in der synchronen Form (auch) die Herzen.
Das kam genau richtig, weil ich gerade nach vielen E-Mails eine zutiefst menschliche (Herzens-)Schiene mit einem Kommunikationspartner per Telefon aufbauen durfte.

Uli Feichtinger hat gesagt…

Lieber Harald,
Meine Antwort kommt vollkommen asynchron! :) :) :)
Bei "In der asynchronen Form kommunizieren nur die "minds" in der synchronen Form (auch) die Herzen." hätte ich Dir sicher vor einiger Zeit voll zugestimmt. Doch ich habe andere Erfahrungen gemacht. In unserer geschlossenen Facebook-Gruppe kommuniziert eine Gruppe von Frauen, die sich zum Teil nie im Leben physisch begegnet sind - und da ist so was von Herz dabei… Es ist nicht gewohnt, es ist nicht der Standard, das ist mir klar. Ich will nur sagen, dass es *möglich* ist im entsprechenden Rahmen. Alles alles Liebe! <3 <3